Die „Rote Wand“, wie die walisischen Fußballfans dank ihrer roten Shirts genannt werden, stand in Frankreich wie der 12. Mann geschlossen hinter ihrer Mannschaft und sie beeindruckten damit alle. Während die walisische Nationalmannschaft einen glorreichen Weg bis ins Halbfinale beschritt, wurden die Fans für ihr friedliches Auftreten mit einer besonderen Auszeichnung der UEFA belohnt.

Twitter URL

Doch bis dahin war es ein langer und steiniger Weg sowohl für die walisischen Spieler, als auch ihre Fans und für den walisischen Fußballverband. Seit 1958 hatte sich die walisische Nationalmannschaft nicht mehr für ein großes internationales Turnier qualifiziert – eine Reihe von Beinahe-Niederlagen in den Jahren dazwischen haben allen, die mit dem Fußball verbunden sind, viel Kummer bereitet.

Und genau aus diesem Grund war die EM in Frankreich die große Hoffnung aller Fans und der Moment, auf den sie jahrelang gewartet hatten. Der Erfolg bei der Euro 2016 war das Ergebnis harter Arbeit und er basierte auf dem Slogan „Together Stronger“, der Devise, nach der auch die „Rote Wand“ handelt.

Die Arbeit der Football Association of Wales (FAW), des Fußballverbands in Wales, hatte schon einige Jahre zuvor begonnen, als man nach einer Vision und einem Motto suchte, das das wachsende Selbstvertrauen im walisischen Fußball einfangen und die Fans und Spieler inspirieren sollte. Der ursprüngliche Slogan „Time To Believe“ wurde verworfen, als die Mannschaft im September 2012 in einem Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft 2014 mit 1:6 gegen Serbien verlor.

Das Motto, das man eigentlich suchte, war jedoch die ganze Zeit schon vorhanden – auf den Trikots der Spieler. Das Wappen von Wales mit seinem Motto „Gorau Cwarae Cyd Chwarae“ – das beste Spiel ist das Teamspiel – führte letztlich zum neuen Slogan „Together Stronger“. Alle ziehen an einem Strang – Funktionäre, Spieler und Fans. Dies ließ den walisischen Fußball auf eine außergewöhnliche Weise wiederaufleben und führte zur Qualifikation für die folgende Europameisterschaft.

Es war der Mythos von „Together Stronger“, der das öffentliche Bild des Fußballs in Wales veränderte und zu neuem Selbstbewusstsein führte. Die Erlebnisse und die eindrucksvolle Entwicklung des walisischen Fußballs schufen auch die Grundlage für die Fangemeinschaft „Rote Wand“.

The Wales National football team crest with its motto ‘Gorau Cwarae Cyd Chwarae’ in the windows of Cardiff City Stadium
Wales football fans in the stands at Cardiff City Stadium with the 'Together. Stronger' banner .

Die berauschende Mischung aus neu gefundenem Selbstverstrauen, aus Leidenschaft und Stolz, verbunden mit der starken kulturellen Identität, ließen die Anhängerschaft des walisischen Teams zum „Club Wales“ wachsen – gemeinschaftlich, zweisprachig, kosmopolitisch und international ausgerichtet.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der internationale walisische Fußball sowohl auf, als auch abseits des Spielfelds in erstaunlicher Weise verändert. Erfolg bringt Erfolg und er bringt Fans. Das, was die Fans am Spieltag im Cardiff City Stadium erlebten, war der Schlüsselmoment für ihre Loyalität und es unterstreicht das Motto „Together Stronger“, das ein so wichtiger Teil der walisischen Fan-DNA geworden ist.

Eine der ersten Aufgaben der FAW bestand darin, Ordnung in die Fangesänge zu bringen und das gemeinsame Singen der Nationalhymne vor den Spielen zu perfektionieren. Dies war jedoch keine leichte Aufgabe.

Sänger kamen ins Stadion, um die Nationalhymne vor den Spielen mit den Fans zu singen, es gab Playback-Aufnahmen und der Text wurde auf Leinwänden im Stadion und in Programmheften veröffentlicht – doch all das funktionierte nur bis zu einem gewissen Grad, denn das größte Problem war, dass die Zuschauer letztlich nicht synchron sangen.

Doch dann kam der Lichtblick, als die FAW und das Spielerteam erkannten, dass das Problem die Musik als solche war. Daraufhin verkürzten sie die Hymne, spielten nur die ersten drei Takte an, um die Fans anzustimmen und überließen dann der „Roten Wand“ den Rest. Heute ist die Hymne der perfekte, mitreißende Vorbote eines jeden Spiels, und wird mit großer Begeisterung und Stolz von den Fans gesungen.

Überhaupt spiel Musik an den Spieltagen selbst eine wichtige Rolle, angefangen von der Bühne „Spirit Of '58“ – benannt nach der Bekleidungsfirma, die für die unverwechselbaren Hüte der walisischen Fans sorgt. Auf ihr traten bereits die besten walisischen Talente vor den begeisterten Fans in der Canton-Tribüne auf, bis hin zu den „Barry Horns“. Die beliebte Blaskapelle, die die Herzen der walisischen Fans erobert hat, ist zum Inbegriff der neuen Fußballgeneration geworden, mit einer üppigen und vielfältigen Playlist. Es lässt die einstigen trüben Tage des vergangenen Jahrzehnts verblassen.

Die Band wurde 2011 gegründet und trat erstmals vor dem Millennium Stadium (heute Principality Stadium) vor dem WM-Qualifikationsspiel zwischen Wales und England auf. Die Band, die nach dem ehemaligen walisischen Kapitän Barry Horne benannt ist, wurde schnell von der FAW adoptiert, um eine mitreißende Begleitung für die einzigartigen Fangesänge zu liefern, die jetzt rund um das Cardiff City Stadium zu hören sind. Ihre Interpretation von Hits vergangener Tage war eine wunderbare Ergänzung zu den hervorragenden Leistungen auf dem Spielfeld. Im Repertoire finden sich Song-Interpretationen zugeschnitten auf die walisischen Spieler wie: „Ain't Nobody“ von Chaka Khan (Joe Ledley), „Push It“ von Salt n Pepa (Hal Robson Kanu), „Give It Up“ von KC and the Sunshine Band (Gareth Bale, jetzt Kieffer Moore), „No Limits“ von 2 Unlimited (Ashley und Jonny Williams, jetzt Neco und Jonny), „Gimme Hope Joanna“ von Eddy Grant (Joe Allen), um nur einige zu nennen. Wenn man dann noch die beiden Hymnen der Roten Wand mit einbezieht – ‚Don't Take Me Home‘ und ‚Zombie Nation‘ – kommt ein sehr ordentliches Repertoire zusammen.

Ein ganz besonderes Erlebnis sind die vielen walisischsprachigen Lieder, die von den Fans im Stadion gesungen werden. Sie spiegeln ihren Nationalstolz wider und bringen ihre kulturelle Identität zum Ausdruck. „Die walisische Mannschaft ist ein Weg, um etwas über die walisische Geschichte und Kultur zu lernen“, sagt Fez Watkins, Bandleader der Barry Horns. „So bin auch ich dazu gekommen. Ich bin mit Menschen zusammen, die sich für die walisische Fußballmannschaft begeistern und für die Spieler, für die es die höchste Auszeichnung ist, für Wales zu spielen. Es geht nicht darum, für die British Lions oder das Team Großbritannien zu spielen, es geht darum, für Wales zu spielen. Und ich liebe es, dass wir alle mit großem Enthusiasmus dabei sind.“

Wales fans during the international challenge match, Wales v Albania at the Cardiff City Stadium, Cardiff.
Wales fans during the match enjoying being at the Cardiff City Stadium

Ein Gefühl, das auch der Stadionsprecher Rhydian Bowen-Phillips am Spieltag teilt. „Ich liebe die Rote Wand / Y Wal Goch – jeder und jede kann ein Teil davon sein“, sagt er. „Wir sind stolze Botschafter für diese unabhängige Fußballnation und wurden 2016 zu Recht mit dieser besonderen Auszeichnung bedacht. Das Besondere ist, dass egal wie groß oder klein die Teilnehmerzahl ist, es ist immer die „Rote Wand“. Gegen Albanien waren es gefühlt nur ein paar Tausend, aber sie waren „The Red Wall“. Die Verbindung zwischen der Mannschaft und den Fans ist etwas Besonderes.“

Was das Aufkommen der walisischen Sprache bei Spielen anbelangt, was sich auch im Branding des Teams und den vielen walisischsprachigen Liedern, die bei den Spielen gesungen werden, widerspiegelt, sagt Rhydian, dafür muss man der FAW Tribut zollen. „Es liegt daran, dass die FAW keine Angst davor hat, wer wir als Land sind, was unser sprachliches Erbe ist und dass sie Cymraeg (die walisische Sprache) in den Vordergrund stellt, wo und wann immer sie kann – sei es in den sozialen Medien, auf Pressekonferenzen oder auf den T-Shirts der Spieler. Alles, was ich am Stadionmikrofon sage, ist zweisprachig, wobei Cymraeg immer an erster Stelle steht. Ich habe immer zweisprachig gelebt und das wurde in „Y Wal Goch“ immer akzeptiert“, so der Stadionsprecher.

Diese lebendige Ideologie wurde von den Fans mit ganzem Herzen angenommen. Die Neuausrichtung des walisischen Fußballs wird sich auch für das Frauenteam auszahlen, das an der Schwelle zu einem ähnlichen Durchbruch steht wie das Männerteam. Die Grundlagen sind vorhanden, genau wie bei den Männern im Jahr 2014. Sie haben einige großartige Spielerinnen, einen guten Kader, es gibt ein Zusammengehörigkeitsgefühl, nur waren sie eben bisher noch nicht in der Lage, sich zu qualifizieren.

Aber mit den Veränderungen, die die FAW vorgenommen hat, und einem neuen Manager erkennen diejenigen, die wissen, wie man ein erfolgreiches Team aufbaut, dass dies eine sehr erfolgreiche Mannschaft im Frauenfußball sein kann – eine, die von der Roten Wand voll und ganz unterstützt wird.

Ähnliche Beiträge