Man könnte sie für eine Museumsattraktion halten und auf gewisse Art ist sie das auch. Aber sie ist auch ein blühendes Unternehmen, das 32 Leute beschäftigt und ihre unverwechselbaren Textilmuster haben mittlerweile auf der ganzen Welt von den USA bis Japan Anhänger gefunden.

Stream and White washed buildings Melin Tregwynt 
Whitewashed buildings, Melin Tregwynt
Bluebells in wood near Melin Tregwynt 
Die weiß getünchten Gebäude von Melin Tregwynt und die Blauglöckchenwälder in der Nähe

An Werktagen ist morgens auf dem Gelände schon sehr viel los; Touristen trinken draußen vor dem Mühlencafé in der Sonne Kaffee. Der Laden ist bis unter das Dach mit Überwürfen, Kissen und allerlei anderen Produkten, die aus Melin Tregwynt-Stoffen hergestellt werden, gefüllt. Ein Kunde hält eine Decke gegen das Licht, um die Farben genauer zu sehen und streicht sanft darüber: Textilien sind tastbar.

 

Auf dem Grundstück steht seit dem 17. Jahrhundert eine Spinnerei und sie ist eine der wenigen, die aus einer Zeit überdauert haben, als fast jedes walisische Tal seine eigene Spinnerei hatte. Obwohl im 20. Jahrhundert die meisten schließen mussten, hat Melin Tregwynt einen Weg gefunden zu überleben und hat somit eine Tradition bewahrt, für die heute Besucher von weit her anreisen, um sie zu sehen. Wenn man zusieht, wie aus Wolle Stoff wird, hat das etwas Magisches.

Eifion Griffiths, current owner of Melin Tregwynt
Close up of product at Melin Tregwynt
Eifion Griffiths, aktueller Inhaber von Melin Tregwynt und Nahaufnahme eines Stoffes

Der heutige Besitzer Eifion Griffiths erklärt, wie das Unternehmen von seinem Großvater Henry gegründet wurde. Dieser kaufte das Grundstück 1912 und bezahlte auf einer Auktion 760 Pfund dafür. Sein Unternehmensmodell war einfach: Das Rohmaterial für die Spinnerei war Wolle von den umliegenden Bauernhöfen und die Endprodukte verkaufte man in der heimischen Umgebung.

Eifion erzählt: "Es hat sich alles auf einem kleinen Gebiet abgespielt. Oft wurden die Verkäufe auf Tauschhandelbasis getätigt. Wenn man sich die alten Buchhaltungsbücher ansieht, findet man Einträge wie den eines Bauern, der ein Motorrad für einen neuen Anzug eingetauscht hat."

Sein Vater Howard hat das Geschäft in den 1950er Jahren übernommen. Eifion wurde erst Architekt aber kam dann 1979 zurück nach Pembrokeshire, um mit seinem Vater zu arbeiten. "Vater war ein großartiger Geschäftsmann, aber er hatte keinen Sinn für Design oder Marketing," sagt er. "Ich kümmerte mich sehr gerne darum, also haben wir uns prima ergänzt."

Machine at Melin Tregwynt
Close up of machine at Melin Tregwynt
woman operating machinery, Melin Tregwynt
Ein Webstuhl und eine Mitarbeiterin, die eine Maschine im Webraum bedient

Heute steht Melin Tregwynt immer noch unverrückbar in ihrer heimischen Umgebung in Wales, doch viele ihrer Kunden kommen von weit her. Wie ist dazu gekommen?

Das Wesentliche ist unverändert geblieben. Über das Geratter der Maschinen im Webraum erklärt Eifion den Prozess, wie das charakteristische Doppeltuch der Spinnerei, auch "walisischer Gobelin" genannt, hergestellt wird. Zwei Lagen werden miteinander verwoben um ein Tuch zu produzieren, das strapazierfähig ist und mit farbkräftigen Mustern besticht. Die Technik gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert und es ist wie der Gegenentwurf zu digitalen Designs, die man ganz einfach von Stoff zu Stoff transferieren kann.

So ist es nicht überraschend, dass der meistfotografierte Bereich in der Spinnerei die Regale sind, auf denen die Garne in vielen verschiedenen Farben lagern. Jedes einzelne ist gekennzeichnet und viele der Namen erinnern an die Natur, wie zum Beispiel catkin (Weidenkätzchen, blasses Grün), shrew (Spitzmaus, gedecktes Braun) und cornflower (Kornblume, fröhliches Blau).

Cambrian Check in Cambrian Hotel in Adelboden, Switzerland
Melin Tregwynt blanket with label
The Cambrian Check, Cambrian Hotel in Adelboden, Schweiz

Jüngste Kollaborationen haben dazu beigetragen, den Namen Melin Tregwynt weit in die Welt hinauszutragen. Doppeltuchstoffe werden nun von der japanischen Einzelhandelskette Muji in Läden überall in Japan, China und Europa angeboten. Eifion und sein Team haben auch mit der walisischen Designagentur Smorgasbord zusammengearbeitet, um einen Stoff für das Cambrian Hotel in Adelboden in der Schweiz zu entwickeln. 'Cambrian Check' verwendet Farben, die die Wälder und Almen der Umgebung des Hotels widerspiegeln.

Wir sind definitiv ein Unternehmen mit einer klaren lokalen Identität und wir könnten nicht einfach irgendwo produzieren"

Für Eifion liegt der Schlüssel zum Erfolg von Melin Tregwynt in ihrer walisischen Identität und dem starken Gefühl der Ortsverbundenheit. "Wir sind definitiv ein Unternehmen mit einer klaren lokalen Identität und wir könnten nicht einfach irgendwo produzieren," sagt er. "Wir sind hier verwurzelt und das unterscheidet uns von anderen."