UNESCO-Weltkulturerbestätten

Die erste und einzige Partnerschaft zwischen zwei UNESCO-Weltkulturerbestätten besteht zwischen Conwy Castle in Nordwales und Himeji Castle in Hyogo, Japan. Diese Partnerschaft – sie besteht seit der Rugby-Weltmeisterschaft 2019 – hat das Ziel, den Tourismus zwischen beiden Nationen durch ihre jeweilige Liebe zu Geschichte, Kultur und Gemeinwesen zu fördern.

Himeji-jo (wie die Burg Himeji auf Japanisch heißt) trägt auch den Beinamen „Weiße Reiher Burg“ (Shirasagijo auf Japanisch) in Anspielung auf ihre strahlend weißen Mauern, die weißen Dächer und ihre Lage hoch oben auf einem Hügel. Sie ist eines der ältesten und besterhaltenen Bauwerke des 17. Jahrhunderts in Japan. Die Burganlage besteht aus 83 Gebäuden, größtenteils aus Holz mit verputzten Lehmmauern und Schichtdächern.

Conwy Castle, beleuchtet, in der Abenddämmerung mit Spiegelung im Wasser
Außerhalb der Burg Himeji, Japan
Conwy Castle und Himeji-jo

Sushi hier und dort

Es ist nicht nur die Burg von Conwy, die Menschen aus Japan nach Wales zieht; die Japaner lieben Conwy als Gesamtkunstwerk und viele japanische Touristen reisen jedes Jahr dorthin. Die Japanese Association of Travel Agents hat Conwy zu einem der malerischsten Orte Europas gekürt – der einzige Ort im Vereinigten Königreich, der es unter die Top 30 geschafft hat. Daraufhin beauftragte Visit Conwy einen einheimischen Koch mit der Kreation von „Wushi“, einer walisischen Variante des Sushi – aus Lammfleisch, Herzmuscheln, Cheddar, Lauch und Laverbread.

Studio Ghibli

Der weltberühmte Filmemacher und Animator Hayao Miyazaki, Gründer des Studio Ghibli, ist ein großer Wales-Fan. Seine Reise in die walisischen Täler in den 1980er Jahren hat ihn so sehr beeindruckt, dass sie ihn zum ersten Animationsfilm von Studio Ghibli inspiriert haben soll: Laputa: Castle in the Sky. Er beobachtete die streikenden walisischen Bergarbeiter und erkannte, dass ihr Kampf um den Schutz ihrer Lebensgrundlage ein Symbol für die damalige Zeit war und die Notlage der japanischen Bergarbeiter in seinem Heimatland widerspiegelte.

Ein späteres Werk, Howl's Moving Castle, basiert auf einem Fantasy-Buch von Diana Wynn Jones, einer Autorin, die in London geboren wurde, jedoch während des Zweiten Weltkriegs in Wales aufwuchs. Das Buch spielt teilweise in Wales, doch Miyazaki verlegte die Handlung in ein Phantasieland. Es wird vermutet, dass einige kleinere Elemente in anderen Werken von Studio Ghibli von walisischen Mythen und Legenden inspiriert wurden.

Kunstaustausch

Viele walisische Künstler haben sich von der japanischen Kultur inspirieren lassen und in Japan gearbeitet oder ausgestellt – und umgekehrt. Das National Museum of Wales unterhält eine Kooperation mit dem Modern Art Museum of Japan. Im Jahr 2018 zeigte das in Cardiff ansässige Museum eine Ausstellung über die japanische Kultur mit dem Titel „Kizuna“. In ihr wurden japanische Transportmittel, Teegeschirr, dekorative Objekte, Gemälde, Mangas und andere kulturelle Artefakte gezeigt und die Ausstellung fand großen Anklang.

Darüber hinaus gibt es immer wieder Ausstellungen mit Werken japanischer Künstler in Wales. 2019 waren die Werke des Kohlebergbaukünstlers Sakubei Yamamoto im Bergbaumuseum Big Pit, das zum Weltkulturerbe gehört, sowie Werke von Nobuko Tsuchiya im MOSTYN, Llandudno ausgestellt. Seit 2010 bringt das Kotatsu Japanese Animation Festival alljährlich einige der besten japanischen Animationsfilme auf große Leinwände in walisischen Kunstzentren.

Auch Japan hat im Laufe der Jahre die Werke vieler walisischer Künstler gezeigt. Dazu gehörten die Werke von David Nash im Museum für zeitgenössische Kunst in Tokio, eine Sammlung von Werken von Dylan Thomas in Kyoto und eine Designausstellung mit zwölf Glas- und Keramikkünstlern aus Wales in Oita.

Ein grünes Auto und eine Infotafel in der Kizuna-Ausstellung
Kizuna, Nationalmuseum Wales Cardiff

Sport verbindet

Shane Williams MBE, der walisische Rugby-Union-Spieler, der als einer der besten Flügelspieler aller Zeiten gilt, spielte die meiste Zeit seiner Karriere für die Ospreys und die walisische Nationalmannschaft. Zwischen 2012 und 2015 war er jedoch als Spielertrainer für den japanischen Verein Mitsubishi Sagamihara DynaBoars unter Vertrag. Der Mittelfeldspieler Junichi Inamoto wechselte zwischen 2004 und 2005 zum Cardiff City Football Club.

Koji Tokumasu, der Präsident des asiatischen Rugbyverbandes und eine der Personen, die dafür verantwortlich sind, dass die Fußballweltmeisterschaft erstmals in Japan ausgetragen wurde, kam während seiner Studienzeit in Cardiff zum Fußball.

Shane Williams mit dem Ball auf einem Rugbyfeld
Shane Williams MBE

Wirtschaftsbeziehungen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Einer der frühesten japanischen Gegenstände der nach Wales kam, war eine lackierte Truhe aus den 1620er Jahren. Diese verzierte Truhe diente einst zur Aufbewahrung von Wertgegenständen, heute ist sie als Ausstellungsstück zu bewundern. Erstanden hatte sie der Sohn des Gouverneurs von Denbigh Castle, Sir Thomas Myddelton I., der auch Chirk Castle erwarb.

In den folgenden Jahrhunderten gab es viele weitere Handelsabkommen zwischen beiden Ländern. Als Japan im 19. Jahrhundert sein Eisenbahnnetz ausbaute, verwendete es Stahl und Eisen aus den Dowlais Works in Merthyr Tydfil. Heute ist es andersherum; Hochgeschwindigkeitszüge von Hitachi aus Japan werden in Südwales eingesetzt und verbinden Cardiff mit London. Man geht davon aus, dass japanische Unternehmen heute rund 6.000 Menschen in Wales beschäftigen. Große Unternehmen wie Sony und Toyota sind hier vertreten und exportieren jährlich Waren im Wert von über 250 Millionen britischen Pfund nach Japan.

Japan schätzt die Qualität walisischer Produkte, darunter Exporte wie Käse und Whisky bis hin zu präzisen Geldzählmaschinen, die täglich in Japans weltberühmten Supermärkten eingesetzt werden.

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