Die Wurzeln von Wales in Amerika reichen tiefer als man meint. Einige der einflussreichsten europäischen Einwanderer in Amerika haben Verbindungen zu unserem kleinen Land. Wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung von Wales im 17. Jahrhundert nur rund 360.000 Einwohner betrug, ist das erstaunlich. Außerdem glauben manche, dass die Verbindungen von Wales nach Amerika noch weiter zurückreichen.

Walisische Legenden in den Wurzeln Amerikas

Wenn man den frühesten Geschichtsbüchern über Wales, Humphrey Llwyds Cronica Walliae und die Historie of Cambria (1589) des Geistlichen David Powel, glauben schenkt, sei ein walisischer Prinz, Madoc, um 1170, also 320 Jahre vor einem gewissen Christopher Columbus, in Amerika gelandet. Der Legende nach kehrte er nach Wales zurück, um weitere Siedler mitzunehmen. Dieser Mythos wurde von Elizabeth I. benutzt, um Ende des 16. Jahrhunderts die Rechte Großbritanniens an Amerika gegen Spanien zu verteidigen.

Außerdem besagt die Legende auch, dass Madocs Siedler schließlich die Mandan, einen Indianerstamm, kennengelernt haben, der daraufhin Walisisch lernte. John Evans, ein 26-jähriger Forscher aus Caernarfon, reiste in den 1790er Jahren nach Amerika, um sie aufzusuchen. Als er dort ankam, fand er jedoch keine Spuren von walisischsprachigen Indianern. Während seiner Reise fertigte er jedoch eine frühe Karte des Missouri an. Gruff Rhys von den Super Furry Animals brachte 2014 ein fantastisches Album und einen Film über ihn, American Interior, heraus.

Die frühen walisischen Siedler

1681 schenkte König Charles II. dem Quäker William Penn 45.000 Quadratmeilen Land (etwa 116.500 km²) in Amerika. Penn wollte das Gebiet New Wales nennen, doch Charles II. bestand darauf, dass es Pennsylvania getauft wurde. Viele walisische Quäker, die nur die walisische Sprache sprachen, waren vor kurzem dorthin gezogen, um vor der religiösen Verfolgung zuhause zu fliehen. In Philadelphia wurde ein Welsh Tract eingerichtet, damit Regierungsgeschäfte auf Walisisch abgewickelt werden konnten, und der Stadtplan wurde dem des Dorfs Caerwys in Flintshire nachempfunden. Die Gebiete von Narberth, Bala Cynwyd und Bryn Mawr im Westen von Philadelphia zeugen heute noch von diesen starken walisischen Wurzeln.

Im Zuge der Einwanderung im 18. Jahrhundert kamen die Waliser in ein Gebiet in West-Pennsylvania, das heute als Cambria County bekannt ist. Delaware und die Carolinas haben ebenfalls walisische Wurzeln, und ein Teil von Jackson County, Ohio, heißt Little Wales. Die walisische Sprache war hier bis ins 20. Jahrhundert weit verbreitet. Sie hat sogar bis heute überlebt: Laut der amerikanischen Volkszählung von 2010 sprechen 135 Menschen immer noch Walisisch.

Schwarzweißfoto von Männern, die in einem Betrieb arbeiten.
“Breaker Boys” - Kohlenbrecher in Pennsylvania. Viele walisische Jungen in den USA fingen so in frühem Alter an zu arbeiten. Bild mit freundlicher Genehmigung des Nationalmuseums von Wales.

Prominente walisische Persönlichkeiten in der frühen amerikanischen Geschichte

Yale University ist nach dem britischen Kaufmann Elihu Yale, benannt, dessen Familie ihren Namen von dem alten Familienhaus Plas yn Iâl im Dorf Llanarmon-yn-Iâl westlich von Wrexham abgeleitet hat. Als Elihu 1649 geboren wurde, lebte seine Familie in Boston, Massachusetts. Er wurde ein reicher Mann und spendete sein Geld einer neuen Universität in Connecticut, die sich zu seinen Ehren Yale University nannte. Elihu kehrte später nach Großbritannien zurück und pendelte dort zwischen London und dem Haus seines Großvaters, Plas Grono, auf dem Landgut Erddig estate. Elihu wurde auf dem St Giles Churchyard in Wrexham beigesetzt, wo sein Grab die Inschrift: „Geboren in Amerika, in Europa aufgewachsen“ trägt.

Eine andere ehrwürdige amerikanische Bildungseinrichtung ist die Privathochschule der freien Künste für Frauen Bryn Mawr in Philadelphia, die auf Grundstücken erbaut wurde, die Rowland Ellis in den 1680er Jahren von William Penn erhalten hatte. Ellis’ ehemaliges Bauernhaus, auch Bryn Mawr genannt, steht noch immer in der Nähe von Dolgellau.

Ein altes Grab mit zahlreichen Inschriften.
Ein Grabstein mit Inschriften.
Elihu Yales’ Grab, Wrexham

Die walisischen Amerikaner hinter der Verfassung und die zehn walisischen Präsidenten

Personen walisischer Abstammung hatten einen starken Einfluss auf die amerikanische Politik. Ein Drittel der 54 Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 soll walisischer Abstammung sein. Dazu gehörte der in Llandaff geborene Francis Lewis, der mit 21 Jahren nach Amerika zog und die Verfassung für New York unterzeichnete.

Zehn der amerikanischen Präsidenten haben auch walisische Wurzeln. Der zweite, John Adams (1797-1801), und sein Sohn John Quincy Adams, der sechste (1825-1829), stammen aus einer Familie, die aus Llanboidy, Carmarthenshire, kamen. Johns Urgroßvater war Pächter auf Banc-y-Llain, das heute zum Gut Jabajak Estate gehört. Der dritte Präsident Thomas Jefferson (1801-1809) besaß sogar ein walisisches Wörterbuch und schrieb, dass die Familie seines Vaters „aus Wales und aus der Nähe des Berges Snowden in dieses Land gekommen“ sei.

James Madison, James Monroe und William Henry Harrison hatten ebenfalls walisische Vorfahren, ebenso wie Abraham Lincoln, dessen Ururgroßvater John Morris ein Bauer aus Ysbyty Ifan in der Nähe von Conwy war (seine Scheune, obwohl etwas verfallen, steht noch heute). Seine Tochter Ellen wanderte mit Quäkern in die Vereinigten Staaten aus, wo sie ihre Verbindung zu Wales durch die Heirat mit Cadwaladr Evans stärkte, der ursprünglich aus Bala stammte. Lincolns Walisischkenntnisse halfen ihm in seinem Wahlkampf 1860, als er yn Gymraeg (auf Walisisch) 100.000 Flugblätter drucken ließ. Ein Jahr später im Bürgerkrieg traf Lincoln auf einen Gegner walisischer Abstammung: der Anführer der Konförderierten Jefferson Davis, dessen Familie Anfang des 18. Jahrhunderts von Wales nach Philadelphia übersiedelte.

Walisische Verbindungen zur Macht im Land gab es beständig. James Garfield, der nach sechs Monaten seiner Präsidentschaft 1881 ermordet wurde, hatte Vorfahren aus Caerphilly, während Richard Nixon (1969-1974) Verbindungen zu frühen Siedlern aus Carmarthenshire und Montgomeryshire hatte. Barack Obamas Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater, Robert Perry, wurde ebenfalls in Anglesey geboren. Obama ist der einzige amtierende Präsident, der Wales besuchte, als er sich wegen des NATO-Gipfels 2014 in Newports Celtic Manor aufhielt.

Eine Präsidentschaftskandidatin des letzten Wahlkampfes hat auch Familienwurzeln aus Wales. Hillary Clintons Urgroßvater John Jones, ein Bergmann aus Llangynidr, zog 1879 nach Pennsylvania, und es wird angenommen, dass ihre Urgroßmutter Mary aus Abergavenny stammte. Clinton erhielt 2017 die Ehrendoktorwürde der Swansea University und das dortige College of Law and Criminology wurde in Hillary Rodham Clinton School of Law umbenannt.

Eine Frau steht am Rednerpult.
Außenministerin Clinton hält 2017 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an der Swansea University eine Rede

Weitere wichtige walisisch-amerikanische Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts

Lewis Henry Morgan war einer der frühesten Verteidiger der Rechte der amerikanischen Ureinwohner. Nachdem er 1636 mit der Familie von Llandaff in die USA emigriert war, wurde er ein wegweisender Anthropologe, der die Werke von Karl Marx beeinflusste. Ein weiterer Einwanderer, der gegen das System kämpfte, war John Rees aus Merthyr Tydfil, der 1836 in der Schlacht von Alamo kämpfte. Danach kehrte er nach Newport, Gwent, zurück, wo er am Chartistenmarsch von 1839 in der Stadt teilnahm, bei dem 22 Demonstranten erschossen wurden.

Einige prominente Firmengründer waren auch Waliser. JP Morgan gab der multinationalen Investmentbank seinen Namen: Sein Familienname stammt von seiner Familie aus Carmarthen. 

Das moderne Los Angeles verdankt vieles der Großzügigkeit des Walisers Griffith J. Griffith, der auf der Pen Y Bryn Farm in der Nähe von Bettws bei Bridgend geboren wurde. Als Kind verwaist, reiste er 1860 nach Amerika, studierte dort Journalistik und wurde Bergbaukorrespondent. Sein Vermögen verdiente er mit der Investition in Silberminen. Er führte ein komplexes Leben, was unter anderem seinen Kampf mit der Alkoholsucht einschloss und dass er seiner Frau aus nächster Nähe ins Gesicht schoss, was sie wie durch ein Wunder überlebte. Nachdem er die großen Parks Europas entdeckt hatte, beschloss er, dass sein neues Zuhause in Los Angeles auch so einen Park benötigte. Deshalb schenkte er der Stadt 3.000 Morgen Land, um dort einen öffentlichen Park zu eröffnen, der bis heute seinen Namen trägt: Griffith Park. Er richtete auch Treuhandfonds ein, damit die Stadt nach seinem Tod weiterhin Freizeitprojekte entwickeln konnte: Sein Geld unterstützte den Bau des Griffith Observatory, eines neuen Amphitheaters, einer Hall of Science, des Los Angeles Zoos und eines Nationalen Zentrums für den amerikanischen Westen und vier städtische Golfplätze (Garw Valley Heritage Society).

Eine weniger bekannte Persönlichkeit, die es verdient, bekannt zu werden, ist Martha "Mattie" Hughes Cannon, die erste weibliche Senatorin, die jemals in den USA gewählt wurde. Sie wurde in der Nähe von Llandudno geboren und wanderte 1860 mit ihrer Familie aus, bevor sie Ärztin und Frauenrechtlerin wurde. Als sie für das Senatorenamt kandidierte, besiegte sie ihren Ehemann, der ebenfalls an der Wahl teilnahm.

Die Frauen von Wales setzen sich für den Frieden ein

Die von der Welsh League of Nations Union koordinierte Petition walisischer Frauen für den Frieden aus dem Jahr 1923 wurde von 390.296 walisischen Frauen unterzeichnet, um die USA aufzufordern, sich dem Völkerbund anzuschließen und ihn anzuführen, um den Ausbruch eines weiteren Krieges nach dem Ersten Weltkrieg zu verhindern. Neben der National League of Women’s Voters, die Millionen von amerikanischen Frauen vertrat, überreichte die walisische Delegation unter der Leitung von Annie Jane Hughes-Griffiths die Petition an US-Präsident Calvin Coolidge. Dieser Akt ist nur einer von vielen in der nationalen Geschichte der walisischen Friedensbemühungen.

Am Ende dieses Artikels ist ein Bild von Hughes-Griffiths zu sehen, wie sie die Petition überreicht.

Der Einband eines alten braunen Buches mit dem Titel Yr Apel.
Ein offenes Buch, das die Einleitung zu einem Friedensappell zeigt.
Yr Apel. Der von 390.296 walisischen Frauen unterzeichnete Appell forderte die USA auf, sich den Friedensbemühungen der Welt durch den Völkerbund anzuschließen und ihn anzuführen. (Cymru dros Heddwch | Wales for Peace)

Amerikaner auf Gegenbesuch in Großbritannien

Im 20. Jahrhundert besuchten Amerikaner Wales auf außergewöhnlichen Wegen. Amelia Earhart war im Jahr 1928 die größte Sensation, als sie die erste Frau war, die mit einem Team über den Atlantik flog. Da sie in Pwll in der Nähe von Burry Port landete, erinnert heute ein Gedenkstein in der Nähe des Kais von Burry Port an ihre Reise.

Auch der amerikanische Zeitungs-Tycoon William Randolph Hearst sorgte 1925 für Furore, als er beschloss, ein walisisches Schloss zu kaufen. Nachdem er das St Donat’s Castle in Llantwit Major gekauft hatte, restaurierte und modernisierte er es und machte es zu einem Treffpunkt der High Society. Aufwendige Partys wurden dort zu Ehren von Frank Sinatra, Charlie Chaplin und dem jungen John F. Kennedy abgehalten. Später wurde es an das Atlantic College verkauft, das es heute noch benutzt. Das Schloss ist auf dem Titelbild in der Kopfzeile dieses Artikels zu sehen.

 

 

Exterior view of the gate of an old castle.
St Donat's Castle, Llantwit Major. Gekauft und restauriert von William Randolph Hearst.

Während des Zweiten Weltkriegs landeten auch Tausende amerikanische GIs in Wales. Viele kamen in fahnengeschmückten Konvois in den Tälern von Südwales an oder stiegen aus Zügen aus, die bis nach Tonypandy und Tenby fuhren. Sie schlossen sich lokalen Gemeinschaften an, besuchten Tanzveranstaltungen und viele heirateten Einheimische. Sie trainierten auch für die D-Day Landungen am Horton Beach auf der Gower. General Dwight Eisenhower besuchte sogar Truppen in Westwales mit dem Zug, und in Haverfordwest geht das Gerücht um, dass dort der Boxweltmeister Rocky Marciano stationiert war.

Hohes Gras im Vordergrund mit einem Sandstrand, dem blauen Meer und Himmel im Hintergrund.
Horton Beach, wo GIs für die D-Day Landings trainierten

Weitere walisisch-amerikanische Ikonen des 20. Jahrhunderts

Die Mutter von Frank Lloyd Wright, einem der größten Architekten der Welt, verließ Llandysul 1844 als Fünfjährige und reiste mit ihrer Familie nach Amerika. Die walisischen Wurzeln ihres Sohnes blieben stark: Das bahnbrechende Anwesen, das er in den 1930er Jahren für sich errichtete, heißt Taliesin nach dem walisischen Barden.

Viele Hollywood-Legenden haben auch Verbindungen nach Wales. Peg Entwhistle, die Schauspielerin, die sich vom Hollywood-Schriftzug gestürzt hat, wurde in Port Talbot geboren, wo ihre walisische Großmutter lebte. Die Industriestadt hat in der Zwischenzeit noch mehr Stars hervorgebracht, wie Anthony Hopkins, der inzwischen als Amerikaner eingebürgert wurde. Bette Davis hatte auch eine walisische Familie und veranstaltete 1975 eine Pressekonferenz in Cardiff. Sie sprach über ihre Wurzeln dort und verabschiedete sich sogar mit einem strahlenden „nos da“ (Gute Nacht) von ihren Gästen.

Und dabei haben wir noch gar nicht über andere Größen der Kunst und Kultur aus Wales geredet, wie Dylan Thomas, der 1953 in New York starb und an der Namensgebung eines der berühmtesten Musiker, Bob Dylan, Anteil hat. Dann gibt es die wegweisenden Musikproduzenten, die eng mit dem Land verbunden sind, wie Quincy Jones, dessen Großvater väterlicherseits Waliser war, oder den Disco-Pionier Nile Rodgers, der in Colwyn Bay lebte und somit seine erste Discoluft in einem Nachtclub am Colwyn Bay Pier schnupperte.

Ob weit zurück in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, hatte Wales durchgehend einen Einfluss auf die amerikanische Geschichte, von den alten Mythen zu modernen Geschichten. Es wird noch weiterhin viel auf beiden Seiten des Atlantiks zu entdecken sein.

 

Erfahren Sie mehr darüber:

 

Header-Bild: St. Donat's Castle in Llantwit Major, heute Heimat des Atlantic College, gekauft und restauriert von William Randolph Hearst.

A historical image of four women in the 1920s holding an open petition
Die von der Welsh League of Nations Union koordinierte Petition walisischer Frauen für den Frieden aus dem Jahr 1923 wurde von 390.296 walisischen Frauen unterzeichnet, um die USA aufzufordern, sich dem Völkerbund anzuschließen und ihn anzuführen, um den Ausbruch eines weiteren Krieges nach dem Ersten Weltkrieg zu verhindern. Neben der National League of Women’s Voters, die Millionen von amerikanischen Frauen vertrat, überreichte die walisische Delegation unter der Leitung von Annie Jane Hughes-Griffiths (Bild oben: fotografiert in Washington im März 1924) die Petition an US-Präsident Calvin Coolidge. Dieser Akt ist nur einer von vielen in der nationalen Geschichte der walisischen Friedensbemühungen. Bild mit freundlicher Genehmigung von Wales for Peace.  

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