Der Nationale Eisteddfod zieht jedes Jahr bis zu 170.000 Besucher an und ist das grösste Kulturfestival Europas.
Die Veranstaltung ist ein einwöchiges, wanderndes Fest der walisischen Kultur, das durch die Berge und Täler von Wales reist und eine Feier von allem Cymraeg – sowohl Alt als auch Neu – zu Menschen im ganzen Land bringt.
Die frühen Tage der Eisteddfodau
Das Wort Eisteddfod bedeutet „Zusammensitzen“ oder „Versammlung“, und Eisteddfodau sind kulturelle Zusammenkünfte unterschiedlicher Grösse, die meist in walisischer Sprache abgehalten werden und eine Vielzahl von Wettbewerben und Aufführungen umfassen.
Im mittelalterlichen Wales wurden die Fähigkeiten von Barden oder Dichtern hoch geschätzt. Informelle Wettbewerbe wurden oft für angehende Dichter und Musiker veranstaltet, die sich um Ehrenplätze in adeligen Haushalten bemühten. Im Jahr 1176 hielt Lord Rhys ap Gruffydd in Cardigan ein grosses weihnachtliches Treffen von Dichtern und Musikern nach diesem Muster ab – weithin gilt es als das erste Eisteddfod.
Obwohl sich die Zeiten geändert haben, hat das Konzept überdauert, und auch heute noch „sitzen“ Menschen bei jährlichen Eisteddfodau unterschiedlicher Grösse zusammen, von lokalen Gemeindeveranstaltungen bis hin zu grossen Festivals wie dem Nationalen Eisteddfod. Unabhängig von der Grösse behalten alle Eisteddfodau Veranstaltungen ihre grosse kulturelle Bedeutung in Wales.
Der grosse
Der Nationale Eisteddfod ist das grösste Eisteddfod in Wales und findet jedes Jahr in der ersten Augustwoche statt, wobei der Austragungsort zwischen dem Norden und Süden des Landes wechselt. Im Mittelpunkt der nationalen Veranstaltung steht die Demonstration künstlerischer Fähigkeiten im Wettbewerb. Dichter, Musiker, Künstler und Tänzer treten um Preise an und unterhalten dabei das Publikum.
Die Veranstaltung ist tief in Traditionen verwurzelt. Eines der ältesten und farbenprächtigsten Spektakel sind die Zeremonien von Gorsedd Cymru. Unter der Leitung des Erz-Druiden werden die Gewinner der höchsten Auszeichnungen bekannt gegeben, während Druiden in weissen, blauen oder grünen Gewändern (die ihre jeweiligen Ränge anzeigen) zusehen. Die Preisträger werden mit einer Reihe von Darbietungen geehrt, darunter ein Blumtanz, der von örtlichen Kindern aufgeführt wird. Es ist so wunderbar ausgefallen, wie es klingt.
Obwohl sich der Nationale Eisteddfod in erster Linie auf Wettbewerbe für Erwachsene konzentriert, gibt es auch zahlreiche Veranstaltungen für junge Menschen. Doch wo entwickeln die Gewinner von morgen ihr Können? Das Konzept des Eisteddfod ist tief im walisischen Bildungssystem verankert, wo Kinder bereits ab vier Jahren im Klassenzimmer zu „wetteifern“ beginnen. Junge Menschen, die Freude am Wettbewerb haben, können am Urdd Eisteddfod teilnehmen, dem Pendant des Nationalen für jüngere Teilnehmer, bei dem jedes Jahr über 15.000 mitmachen.
Ein Festival des 21. Jahrhunderts
Auch wenn es auf den ersten Blick etwas altmodisch wirken mag, hat sich das Nationale Eisteddfod zu einer vielschichtigen Veranstaltung entwickelt, die das zeitgenössische Wales feiert und zugleich historische Traditionen bewahrt.
Neben den altehrwürdigen Wettbewerben für Poesie und Tanz gibt es inzwischen auch Kategorien für Spoken Word, literarisches Schreiben, Essays, Kurzgeschichten, humorvolle Darbietungen und vieles mehr. Auch der Festivalcharakter hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wobei Glitzer inzwischen fast ebenso präsent ist wie die Gorsedd. Entsprechend finden Besucher vor Ort eine beeindruckende Auswahl an Cafés, Bars, Kunsthandwerksständen und Streetfood Anbietern, die es mit jedem grossen Sommerfestival in Wales aufnehmen können.
Zudem gibt es ein Veranstaltungsprogramm, das unsere wunderbaren und vielfältigen Besucher feiert. Die Partnerschaft Mas ar y Maes (zwischen Stonewall Cymru und dem Eisteddfod) wurde ins Leben gerufen, um die LGBTQ+ Gemeinschaft zu feiern, und hat dem Geschehen eine besonders schillernde Note verliehen. Zu den jüngsten Höhepunkten zählen Parti Pinc, „This is Ballroom“, präsentiert von der Welsh Ballroom Community, sowie Qwerin, eine queere Interpretation des Volkstanzes.
Für jüngere Menschen ist Maes B der nächtliche kleine Bruder des Eisteddfod. Nur einen Steinwurf vom Hauptgelände entfernt treten die besten walisischen Pop, Rock, Indie und Hip-Hop Bands sowie DJs bis spät in die Nacht (oder bis in die frühen Morgenstunden) auf. Für viele walisische Bands ist dies der Höhepunkt ihrer Auftritte, und für viele junge Menschen ist es die erste Erfahrung mit Live Musik und ausgelassenem Festivalspass – hwyl a sbri!