Der jüngere James, ein Harfespieler, der oft in den Pubs seiner Heimatstadt spielte, hat vermutlich die Musik komponiert, als er am Ufer des Flusses Rhondda entlangging. Als er heim kam, bat er seinen Vater, ein paar Verse zu der Melodie zu schreiben.

Bis zum nächsten Morgen hatte Evan drei Verse geschrieben, die perfekt zur Melodie passten. Manche haben vermutet, dass die emotional geladenen Worte eine Reaktion auf die Emigration seines Bruders nach Amerika waren, der es gerne gesehen hätte, wenn Evan Wales verlassen hätte und mit ihm ausgewandert wäre.

The memorial for Evan James and James James in Ynysangharad Park
Das Denkmal für Evan James und James James im Ynysangharad Park, Pontypridd.

Nur eine Woche, nachdem die Musik und der Text geschrieben waren, wurde das Lied, damals noch mit dem Titel Glan Rhondda (die Ufer der Rhondda) zum ersten Mal öffentlich aufgeführt. Die Ehre dieser Aufführung wurde der 16-jährigen Elizabeth John in der Tabor Chapel in Maesteg zu teil.

Der Ruhm der erhebenden Komposition breitete sich rasch aus. Sie wurde in einer der meistverkauften walisischen Liedersammlungen veröffentlicht und wurde zu einem Lieblingsstück auf Eisteddfodau und bei anderen patriotischen Anlässen. Hen Wlad Fy Nhadau wurde nach und nach als Nationalhymne von Wales angenommen, obwohl es bis zu diesem Tag noch nicht offziell in diesen Status erhoben wurde.

Die Melodie von James James fand auch bald Anklang bei anderen keltischen Völkern. Auf seine Melodie werden sowohl die kornische Hymne Bro Goth agan Tasow, als auch das Nationallied der Bretagne Bro Gozh ma Zadoù gesungen.

Kizzy Crawford singt die walisische Nationalhymne

Die Hymne ist nun untrennbar mit walisischen Sportereignissen verbunden, insbesondere mit Rugby- und Fußballländerspielen. Die Tradition geht bis ins Jahr 1905 zurück, als die Rugby Union Mannschaften von Wales und Neuseeland zum ersten Mal im Cardiff Arms Park gegeneinander spielten.

Nachdem die All Blacks aus Neuseeland ihren furchteinflößenden Kriegstanz, den Haka, beendet hatten, schlugen die walisischen Zuschauer mit einer mitreißenden Darbietung des Liedes zurück. Dies ist der erste dokumentierte Fall, dass eine Nationalhymne vor einem Länderspiel gesungen wurde. Und damals hat es sogar funktioniert: Wales gewann 3:0.

Die zweite Zeile der Hymne enthält eine Würdigung der „beirdd a chantorion, enwogion o fri“: Dichter, Sänger und berühmte Persönlichkeiten. Nachfolgend erzählen drei solcher Vertreter aus dem heutigen Wales, was sie über ihre Hymne denken.

Wales v South Africa - Under Armour Series 2017 - View of Wales team running out onto the pitch
Die walisische Rugby-Mannschaft läuft vor dem Länderspiel Wales - Südafrika (Under Armour Series 2017) auf das Spielfeld

Ifor ap Glyn ist Wales’ Nationaldichter und zweifacher Gewinner der Crown, der Krone für freie Dichtung auf dem National Eisteddfod.

Obwohl die Hymne vor über 160 Jahren geschrieben wurde, wäre sogar den Leuten, die damals Walisisch im Alltag sprachen, die Sprache recht altertümlich vorgekommen. Aber das ist der Stil, der von den Dichtern jener Zeit erwartet wurde, denn damit wollten sie ihrem Werk poetische Bedeutung verleihen. Und wir haben uns sicherlich daran gewöhnt, diese Worte zu benutzen und wie eine bequeme Jacke hüllen sie die Musik an den richtigen Stellen ein.

Ifor ap Glyn with views of the Sea
Ifor ap Glyn with views of the Sea
Ifor ap Glyn mit Blick auf das Meer

Schließlich ist es doch die Melodie, die das Ganze trägt – die Art, wie es von einem gemessenen Anfang zu den packenden Tönen am Ende anschwillt. Die letzten drei Zeilen von „Gwlad! Gwlad! Gwlad!“ (Land) bis zu „O, bydded i’r hen iaith barhau!“ (oh, möge die alte Sprache überdauern) vereinigen Feiern und Flehen auf eine Art, die mich aufrechter stehen lässt und ein Schauer meinen Rücken hinuntergeht.

Unsere Dichtung und unsere Musik spielen eine große Rolle darin, dass wir als ein Land über unsere Größe hinauswachsen und unsere Hymne setzt den Maßstab als Land der Lieder."

Tim Rhys-Evans gründete 2000 einen der erfolgreichsten walisischen Chöre, Only Men Aloud. Er ist auch der Gründer und Intendant der Aloud Charity, einer wohltätigen Organisation mit ihren Chören Only Boys Aloud, Only Kids Aloud und die Only Boys Aloud Academi.

Es ist eine der bewegendsten Hymnen vom ersten Ton an. Die erste Phrase steigt allmählich um eine ganze Oktave an und diese vehemente Eröffnung setzt die Stimmung der Hymne fest. Der zweimal gesungene Refrain ist besonders mitreißend durch seine Haltetöne auf dem Wort „Gwlad“. In der Wiederholung des Refrains singen viele Leute die letzte Phrase („... i’r hen iaith barhau“) eine Oktave höher und wenn man ein ganze Stadion hört, das diese hohen Töne inbrünstig aus voller Brust singt, ist das so aufregend.

Obwohl ich Musiker bin, bewegen mich die Worte am meisten. Die Tatsache, dass Dichter und Sänger als allererste erwähnt werden und nicht Krieger oder Soldaten, ist einfach wunderbar. Dass unsere Hymne Kultur so stark hervorhebt, sagt eine Menge über uns als Land aus. Unsere Dichtung und unsere Musik spielen eine große Rolle darin, dass wir als ein Land über unsere Größe hinauswachsen und unsere Hymne setzt den Maßstab als Land der Lieder.

Only Men Aloud singen Hen Wlad Fy Nhadau

Caryl Thomas spielt Loosehead Prop (linker Pfeiler) für die walisische Rugby Union Frauennationalmannschaft und hat bereits über 50 Länderspiele absolviert.

Ich hörte Hen Wlad fy Nhadau zum ersten Mal, als ich es in der Grundschule sang. Ich war schon immer eine leidenschaftliche, patriotische Person und die Hymne passt da wunderbar dazu. Heutzutage gehört sie zu meinen Lieblingsmomenten, wenn ich für mein Land spiele.

Es ist eine solche Ehre dort mit meinen Mannschaftskameradinnen zu stehen und die Hymne vor unseren Zuschauern und Familien zu singen. Das bringt auch das Adrenalin zum Wallen. Wenn man sie nicht singen würde, denke ich, dass das Spiel darunter leiden würde.

England Women v Wales Women - Natwest 6 Nations - Caryl Thomas of Wales takes on Amy Cokayne of England
Wales under 20s women rugby players
Caryl Thomas im Einsatz für Wales und zusammen mit dem Wales U20-Frauen Rugby-Team

Es ist mir auch egal, ob ich die Melodie genau treffe, wenn ich aus voller Brust mitsinge. Wenn wir zu „Gwlad, Gwlad, pleidiol wyf i’m gwlad“ (Land, Land, treu bin ich meinem Land) kommen, fühlt es sich so an, als ob man für sein Land einsteht und das macht mich unheimlich stolz.

Text:

Mae hen wlad fy nhadau yn annwyl i mi,
Gwlad beirdd a chantorion, enwogion o fri;
Ei gwrol ryfelwyr, gwladgarwyr tra mâd,
Tros ryddid gollasant eu gwaed.

Chor: 
Gwlad, Gwlad, pleidiol wyf i'm gwlad,
Tra môr yn fur i'r bur hoff bau,
O bydded i'r heniaith barhau.

Hen Gymru fynyddig, paradwys y bardd;
Pob dyffryn, pob clogwyn, i'm golwg sydd hardd
Trwy deimlad gwladgarol, mor swynol yw si
Ei nentydd, afonydd, i fi.

Chor

Os treisiodd y gelyn fy ngwlad dan ei droed,
Mae hen iaith y Cymry mor fyw ag erioed,
Ni luddiwyd yr awen gan erchyll law brad,
Na thelyn berseiniol fy ngwlad.

Chor

Deutsche Übersetzung (textnah)

Der Titel der Hymne wird als Land meiner Väter übersetzt.

Strophen

Das alte Land meiner Väter ist mir teuer. 
Land der Barden und Sänger, berühmter Männer;
Seine tapferen Kämpfer, hervorragende Patrioten,
für Freiheit vergossen sie ihr Blut.

Refrain:
Land, Land, treu bin ich meinem Land,
solange die See eine Mauer für das reine, geliebte Land bildet,
oh, möge die alte Sprache überdauern.

Altes bergiges Wales, Paradies der Barden,
Jedes Tal, jede Klippe ist meinen Augen schön;
Durch patriotische Gefühle, sehr reizvoll ist das Rauschen
Ihrer Bäche und Flüsse für mich.

Refrain

Auch wenn der Feind unter seinem Fuß mein Land erdrückt,
Die alte Sprache der Waliser bleibt so lebendig wie nie,
Weder die Muse wird von der furchtbaren Hand des Verrats zum Schweigen gebracht,
Noch die melodische Harfe meines Landes.

Refrain

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