Sie haben ursprünglich Ingenieurswissenschaften an der Universität studiert, wie sind Sie danach zu einer Karriere in einem Nischensektor wie den Bootsbau gekommen?

Ich bin seit 35 Jahren ein großer Segelfan. Nachdem ich meinen Abschluss an der Universität hatte, habe ich einige Zeit in IT- und Unternehmensberatung verbracht, doch ich wusste immer, dass ich etwas anderes machen wollte und beschloss dann, mit Booten zu arbeiten. Ich habe einen einjährigen Vertrag bei Tony Castro Yacht Design bekommen, einer der innovativsten Schiffsbauer in Großbritannien. Ich habe dann das Unternehmen meines Vater übernommen, welches damals Swallow Boats hieß, als er sich 2004 zur Ruhe setzte.

Matt Newland, Geschäftsführer von Swallow Yachts, erklärt, warum er glaubt, dass Wales der perfekte Wohnort und Arbeitsplatz ist.

Was für Veränderungen haben Sie am Unternehmen vorgenommen, seit Sie es leiten?

Mein Vater hat Bootsbausätze hergestellt, also komplette Boote in Einzelteilen, die die Leute kauften um sie zuhause selbst zusammenzubauen. Der Markt und die Gewinnspanne waren sehr klein. Der Umsatz war zu gering, als dass man davon gut leben könnte und so wusste ich, dass wir das Unternehmen aufbauen müssten. Swallow Yachts begann damit, Daysailer und kleine Yachten zu bauen und hörte 2008 ganz damit auf, Bootsbausätze zu verkaufen. Das war auch das Jahr, in dem wir in neue Geschäftsräume gezogen sind, da wir mehr Platz und eine Werkstatt brauchten. Wir haben uns dann nochmals 2014 vergrößert, als wir durch die wirtschaftlichen Fördermittel der walisischen Regierung eine Finanzspritze erhielten. Das gab uns die Möglichkeit, unsere Belegschaft zu vergrößern und in Wales Arbeitsplätze zu schaffen.

Detail of hook and chain in the workshop
Portrait of the founder of Swallow Yachts in front of boat
Close up details of nails organised in a tray
Geschäftsführer Matt Newland, Swallow Yachts, Gwbert, Cardigan

Sie sind eine Firma, die stolz auf ihre walisischen Wurzeln ist – könnten Sie sich vorstellen, ihr Geschäft irgendwo anders zu führen?

Nicht wirklich. Wir haben eine lange bestehende, familiäre Bindung an Wales und das ist der Hauptgrund, warum wir gerne hier sind. Aber dies ist auch ein toller Ort für Schiffsbauer. Wir brauchen viel Platz und wir müssen nahe am Wasser sein und die Grundstückspreise in Westwales sind viel angemessener als die in den traditionellen Segelsportorten an der Südküste von England, wo sich viele Schifffahrtsunternehmen angesiedelt haben. Hier gibt es auch viele gelernte Arbeitskräfte und Unternehmen, mit denen wir am Ort zusammenarbeiten können. Und die Kunden kommen gerne zu Testfahrten an die Mündung des Teifi oder in die Cardigan Bay. Die malerische Kulisse hilft uns, unsere Boote im besten Licht zu zeigen.

Yachts in workshop at Swallow Yachts
Swallow Yachts, Gwbert, Cardigan

Ihr Boot Swallow Coast 250 wurde für den Preis Europäische Yacht des Jahres nominiert. Was ist an dem Modell so besonders?

Wir waren sehr erfreut darüber, dass die Coast 250 eine Nominierung in der Kategorie Familiencruiser bekommen hat. Wir hatten mit Schiffsbauern wie Dufour und Hallberg-Rassy sehr große europäische Konkurrenz. Es handelt sich um ein komplett neues Design, an dem wir zwei Jahre lang gearbeitet haben und bei dem wir viel Know-how aus der Motorbootbranche verwendet haben. Die Coast 250 ist fast 8 Meter lang und hat Schlafplätze für fünf Leute. Es ist eine gelungene Kombination aus einem großartigen kleinen Segelboot und einem kraftvollen Motor, die überraschend schwer zu erreichen war. Seine Besitzer kommen nicht nur in den Genuss, mit einer modernen, leistungsfähigen Segelyacht zu segeln, sondern können auch die Flexibilität des Bootes nutzen, um schnell von der Stelle zu kommen, wenn kein Wind weht. Und es ist trailerbar: man kann es auf einen Trailer packen, an die Küste fahren und lossegeln.

Close up of craftsman working on the bow of a yacht
Craftsman working on a yacht in Swallow Yachts workshop
Handwerker bei Swallow Yachts, Gwbert, Cardigan

Was bedeutet es, ein Familienunternehmen in einem Luxusindustriezweig zu sein, der von großen Firmen beherrscht wird?

Im Gegensatz zu einigen größeren Schiffsbauern können wir Yachten an die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden anpassen. Wenn sie zum Beispiel sehr groß sind, brauchen sie vielleicht größere Betten. Egal wie viel Spaß man tagsüber beim Segeln hatte, so wird es den Tag nicht angenehm beschließen, wenn die Beine über das Fußende hinaushängen. Diese maßgeschneiderten Lösungen heben unser Unternehmen hervor.

Die Besitzer von Swallow Booten haben den Ruf, der Marke äußerst treu zu sein. Was mögen sie an Ihren Yachten am liebsten?

Das stimmt. Ich glaube nicht, dass wir Konkurrenz im klassischen Sinn haben. Wenn die Leute mögen, was unsere Boote imstande sind zu leisten, dann wollen sie ein Swallow Boot und nichts anderes. Wir haben eine sehr treue Fangemeinde sowohl in Großbritannien als auch im Ausland und es gibt auch einen beliebten Verein für Besitzer unserer Boote, die Swallow Owners’ Association. Unser Hauptkonkurrent sind eigentlich wir selbst, und zwar der Markt für gebrauchte Swallow Yachten; deshalb investieren wir so viel in die Forschung und Entwicklung. Wir versuchen ständig, beim Design unserer Boote innovativ zu sein. In der Coast 250 ist das unschwer zu erkennen, denke ich.

Outside the Shallow Yachts workshop
Außengelände Swallow Yachts, Gwbert, Cardigan

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