Obwohl Wales eine kleine Nation ist, entstand als Reaktion auf den Ausbruch der COVID-19-Pandemie in allen Landesteilen schnell eine Reihe an Innovationen. Es waren ein starker Gemeinschaftssinn und eine enge Zusammenarbeit gefragt, um das Gesundheitssystem zu entlasten, eine Verbreitung des Virus einzudämmen und damit letztlich dazu beizutragen, Leben zu retten.

Sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor kam es Dank schneller Aktionen zu einer Vielzahl neuer Initiativen. Viele walisische Organisationen und Unternehmen änderten kurzfristig ihr Tagesgeschäft, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, die die Pandemie mit sich brachte. Die Schnelligkeit, mit der auf die neue Situation reagiert wurde, zeugt von einer großen Flexibilität und Widerstandsfähigkeit unserer Unternehmen und Gemeinden.

Flexible Veranstaltungsorte

Überall in Wales öffneten diverse große Veranstaltungsorte – doch statt Unterhaltungsprogramme und Sportveranstaltungen zu bieten, wurden sie in Notunterkünfte und Krankenstationen umgewandelt.

Im viktorianischen Seebad Llandudno wurde das Kongresszentrum Venue Cymru in das erste provisorische Krankenhaus in Nordwales verwandelt. Eigentlich ein Theater, Konferenz- und Konzerthaus, wurde der Veranstaltungsort so umgebaut, das 350 Betten zur Verfügung standen, um das Gesundheitsamt Betsi Cadwaladr während der Pandemie zu unterstützen.

In der Hauptstadt Cardiff wurde im Nationalstadion von Wales, dem Principality Stadium, dessen Dach sich automatisch zu einer geschlossenen Arena verschließen lässt, das Ysbyty Calon y Ddraig - Dragon's Heart Hospital eingerichtet. Auf dem Spielfeld wurde eines der größten Zelte Europas errichtet, das Platz für mehr als 2.000 Patienten bietet. So konnte die reguläre Versorgung in den örtlichen Krankenhäusern gewährleistet werden.

Das temporäre Krankenhaus, das zweitgrößte in ganz Großbritannien, wurde zur Unterbringung von COVID-19-Patienten konzipiert, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden sowie zur Palliativpflege und zur Betreuung von Patienten, die am Ende ihrer Behandlung von COVID-19 stehen. Neben mobilen Röntgengeräten und CT-Scannern wurde ein Rehabilitationsbereich für Patienten, die sich vom Virus erholen, eingerichtet. Zur Eröffnung des Dragon's Heart Hospital hielt Prince Charles, der Prinz von Wales, eine Ansprache.

Der Stadionmanager Mark Williams sagte: „Ich weiß, dass ich für mein gesamtes Team spreche, wenn ich heute hier sage, dass wir sehr stolz darauf sind, unser Stadion der Universitätsklinik Cardiff and Vale University Health Board und der walisischen Bevölkerung zur Verfügung stellen zu können und dass wir auch weiterhin an der Seite des National Health Service gegen COVID-19 kämpfen werden“.

Hier erfahren Sie mehr über die Veranstaltungsorte in Wales, die das Gesundheitswesen unterstützen.

Prince Charles eröffnet per Video das Dragon’s Heart Hospital in Cardiff

Vom Single Malt zu Handdesinfektionsmittel

In den letzten Jahren sind im ganzen Land diverse kleine und unabhängige Brennereien und Destillerien besonderer Spirituosen gegründet worden und viele wurden für ihre herausragenden Produkte wie Gin, Vodka, Whisky etc. ausgezeichnet. Neben der bekannten Brennerei Penderyn haben einige von ihnen ihre Destillieranlagen umgestellt, um andere Flüssigkeiten herstellen zu können, darunter Handdesinfektionsmittel nach den Standards der WHO. Zu den kleineren Brennereien gehören: Dinorwig Distillery, Llanfairpwll Distillery, Gower Gin CompanySilver Circle Distillery und die Dyfi Distillery, die sich mit Dŵr Cerist und Stori Beers zusammengetan haben, um ihre alkoholischen Handdesinfektionsmittel in Flaschen abzufüllen.

Penderyn ist der bekannteste Whisky-Hersteller in Wales mit einer großen Destillerie im kleinen Dorf Penderyn in der Nähe von Aberdare in Südwales. Normalerweise wäre die Brennerei für Besichtigungen und Verkostungen geöffnet gewesen, doch entschloss man sich kurzerhand Handdesinfektionsmittel im Kampf gegen das Virus herzustellen, statt den beliebten Single Malt Whisky.

Der walisische Wirtschaftsminister Ken Skates sagte hierzu: „Penderyn ist ein fantastisches Beispiel dafür, wie Unternehmen ihr Geschäftsfeld anpassen, um unsere Bemühungen im Kampf gegen COVID-19 zu unterstützen“.

Lebensmittelhersteller und -händler

Südostwales war eine der Regionen, die schon sehr früh stark von dem Virus betroffen waren, so dass sich eine Reihe unabhängiger Lebensmittelproduzenten zusammengeschlossen haben, um wichtige Arbeitskräfte, die mit langen Schichten und erhöhter Arbeitsbelastung konfrontiert waren, zu versorgen.

Feed the Heath ist eine Initiative, die vom preisgekrönten Teehaus Waterloo Tea ins Leben gerufen wurde, um nach der Schließung der Cafés auf dem Gelände der Universitätsklinik von Wales in Cardiff die Mitarbeiter an vorderster Front mit  gesundem Essen zu versorgen. Die Initiative wurde mit Unterstützung der Health Charity des Cardiff and Vale University Health Boards entwickelt.

Barbara John, Business and Operational Manager der Cardiff and Vale Health Charity, sagte: „Wir möchten Kasim von Waterloo Tea und den an dieser Initiative beteiligten Partnern und der Gemeinde für ihre Hilfe und Unterstützung danken ... für die Bereitstellung von Essen, Getränken und Snacks für unsere Mitarbeiter an vorderster Front. Sie haben mit ihrem Engagement dazu beigetragen, die Stimmung zu heben, während sich unsere Mitarbeiter um die Patienten kümmern konnten. Wir alle sind sehr dankbar für diese Unterstützung“.

Dank Crowdfunding konnten bis heute über 70.000 Pfund gesammelt werden, wodurch lokale Gastronomen und Caterer Mahlzeiten für das Klinikpersonal zubereiten konnten. Dies hielt nicht nur die regionalen Geschäfte am Leben, sondern hat Tausende von Klinikmitarbeitern mit Essen versorgt. Zu denjenigen, die für die gute Sache kochten, gehören das Milkwood, Juboraj, the Cinnamon Tree, Penylan Pantry, EJ Catering, Secret Garden, Moghul, Vegetarian Food Studio, Anna-Loka, Spiros sowie das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant James Sommerin.

Kittel und Gesichtsmasken von Bekleidungsmarken

Auch andere Unternehmen engagierten sich oder schließen sich zusammen und stellten beispielsweise die Produktion von Kleidungsstücken in medizinische Ausrüstung um. Eine dieser Firmen war Hiut Denim, ein Unternehmen mit Sitz in Cardigan, das normalerweise Jeans produziert. Im Zuge des ersten Lockdowns musste die Fabrik am 23. März schließen, öffnete dann aber wieder, um Kittel für Krankenhauspersonal herzustellen, die dem NHS gespendet wurden.

Die erste Charge produzierte Hiut Denim noch für das Royal Free Hospital in London, weitere wurden dann an Krankenhäuser in ganz Wales verteilt. Hiut Denim, besser bekannt als die „Jeans der Wahl“ von Meghan, Herzogin von Sussex, stellte zudem neue junge Talente ein, die dabei halfen die OP-Kittel zu nähen.

Angesichts des Mangels an Kleidung für Klinikpersonal stellten auch einige anderer walisischer Unternehmen und sozialer Betriebe ihre Produktion um. ELITE Clothing Solutions, ein soziales Unternehmen in Ebbw Vale, musste mit Ankündigung des Coronavirus-Lockdowns seine Mitarbeiter beurlauben. Doch es gelang, 15 Näherinnen und Näher wieder in die Fabrik zurückzuholen, um mit der Produktion von Krankenhaus-Kitteln zu beginnen. Zusammen mit den Firmen Brodwaith auf der Insel Anglesey und Workplace Worksafe in Ruthin produzierten sie etwa 2.500 Kittel pro Woche.

Andrea Wayman, CEO von ELITE Clothing Solutions, sagte dazu: „ELITE Clothing Solutions ist ungemein stolz darauf, den NHS durch einen kooperativen Ansatz mit anderen walisischen Herstellern bei der Produktion von Klinikkleidung zu unterstützen, die dazu beitragen, das Personal im Gesundheitswesen im Kampf gegen COVID-19 zu schützen“.

PPE-Schutzausrüstung

Viele walisische Unternehmen halfen durch die Umstellung ihrer Produktionen mit, Schutzausrüstungen zu produzieren und unterstützten so das staatliche Gesundheitssystem NHS.

Transcend Packaging ist in Südwales ansässig und entwickelt plastikfreie und nachhaltige Verpackungen. Die Fabrik in Ystrad Mynach wurde kurzfristig so umgestellt, dass sie pro Woche über eine Million Schutzausrüstungen herstellen konnte.

Lorenzo Angelucci, CEO von Transcend Packaging, sagte: „Die neuen Gesichtsschutzschilde tragen dazu bei, die tapferen Mitarbeiter im Gesundheitswesen, in Pflegediensten, im Einzelhandel und in Restaurants sowie alle anderen, die an vorderster Front arbeiten, vor COVID-19 zu schützen.

Unser Ziel ist es, so viele Schutzschilde wie möglich für Mitarbeiter in Schlüsselpositionen zu produzieren und wir sollten in der Lage sein, zwischen einer und zwei Millionen Stück pro Woche herzustellen, solange Bedarf besteht“.

3D-Druck

Die 3D-Drucktechnologie hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht; so große, dass viele Unternehmen und Gründer ihr Fachwissen nutzen konnten, um wichtige Schutzkleidung für das Nationale Gesundheitssystem NHS zu drucken.

Das PARC Institute of Manufacturing, Logistics and Inventory der Universität Cardiff ist eine gemeinsame Initiative der Universität und der Industrie, die sich auf Forschung und Entwicklung in den Bereichen Fertigung und Logistik konzentriert.

Angesichts der COVID-19-Pandemie begann das PARC-Team Möglichkeiten zu erarbeiten, wie sie ihre innovative 3D-Drucktechnologie sinnvoll einsetzen könnten.

Mithilfe des globalen Logistikunternehmens DSV konnte das PARC-Team Gesichtsschutzschilde für den NHS herstellen. Dies wurde auch durch das geplante Projekt ermöglicht, bis Ende 2020/Anfang 2021 in Cardiff ein RemarkerSpace-Zentrum zu eröffnen. Das geplante neue Zentrum hat zum Ziel, Unternehmen und Einzelpersonen anzuleiten, wie bestehende Produkte aufgearbeitet, umgestaltet und wiederverwendet werden können und wie dies in dem eigenen Unternehmen umgesetzt werden kann. Nachdem die ersten Visiere hergestellt worden waren, war es Ziel der Zusammenarbeit mit dem NHS, ein voll funktionsfähiges Arbeitsfeld zu schaffen, in dem eine Vielzahl wichtiger Geräte zur Bekämpfung von COVID-19 produziert werden können.

Ein Mann vor einem 3D-Drucker.
3D-Drucker des PARC Institute der Universität Cardiff, die für die Herstellung von Gesichtsschutzschilden für den NHS im Kampf gegen COVID-19 eingesetzt wurden.

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